Publikation - Ze Lage – Lebendige Geschichte - Ergänzungen - Die Materialseilbahn

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Wir danken allen, die uns die untenstehende Informationen zur Verfügung gestellt haben, besonders Herrn Gerd Lazzeri aus Meran.

DIE MATERIALSEILBAHN GFRILL - LAAG

Gfrill erreichte man bis 1965 nur zu Fuß oder mit einem Ochsengespann von Laag aus über den Gfrillnerweg oder von Salurn aus über einen schmalen Forstweg. Die Briefträgerin von damals ritt auf einem Esel nach Gfrill um die Post dort abzugeben.  
Der Besitzer des Sevwandhofes / Seiwandhofes („Korlfranz“ – heute Lazzerihof) in Gfrill, Franz Josef Pardatscher, ließ in den Jahren 1910/1911 die erste Materialseilbahn, Madrutt–Reif Laag, erbauen. Pardatscher fiel 1914 im Ersten Weltkrieg, seine Brüder erbten seinen Besitz. Im Jahre 1940 übernahmen seine Neffen Emil und Franz Lazzeri die Seilbahn und führten sie bis 1962.  
Im Zusammenhang mit dem Bau der Materialseilbahn wurde die Straße vom Giacomuzzi-Hof zur Bergstation gebaut.
Über 50% der Baumstämme wurden ins Sägewerk Giacomuzzi nach Neumarkt geliefert, die restliche Menge gelangte in die segheria Borga nach Mezzolombardo.
Die Seilbahn wurde für den Transport des in den Gfrillner Wäldern geschlagenen Bauholzes gebaut. Früher musste das Holz die ganze Strecke über den Bergerweg und den "Geraden Weg" mit Ochsenfuhrwerken nach Laag transportiert werden. Die meisten Baumstämme waren, auch später beim Bau der Seilbahn, wegen des leichteren Transportes 8 Meter lang ("Ochter").
Vorübergehend stand auch eine Materialseilbahn von "Valdonega" oberhalb des Prugnet-Hofes bis zur Bergstation der Gfrillner Seilbahn. 

 

Foto: Laag von der Materialseilbahn aus fotografiert

Foto: Bergstation Gfrill

TECHNISCHE DATEN

Die Seilbahn hatte zwei fixe Tragseile und ein umlaufendes Zugseil. Sie funktionierte mit Gegengewichten. Es waren immer drei Ladungen Bäume auf der Bahn.
Wenn eine Ladung in Laag ankam, war eine  leere Fuhre mit dem Befestigungsmaterial ("Carucole", Ketten und Klemmen) und eventuell auch einer Transportkiste mit Waren des täglichen Bedarfs, an der Bergstation. Es konnte dann eine neue Beladung erfolgen. 
Den Betrieb regelte der  Vorarbeiter, der "Bremser" - meistens war es der "Neinzger", Lazzeri aus Gfrill- mit Hilfe von zwei Lenkrädern, mit welchen er die Bremsen öffnen und zudrehen konnte. Dabei konnte er am Singen der Seile  hören, wann eine Ladung in der Nähe eines "Bockes" war, worauf er die Geschwindigkeit drosselte, um ein "Aushupfen" der Ladung zu verhindern.
Im Sommer war die Seilbahn in der Regel nicht in Betrieb, nur an einzelnen Samstagen wurden dringend benötigte Waren nach Gfrill "gedrahtelt". Um dies zu ermöglichen, hingen auch im Sommer immer drei Ladungen Baumstämme auf der Bahn.
Diese Art des Antriebs war bis 1951 in Betrieb, bis ein Dieselmotor gekauft wurde. Dies war notwendig geworden, da in diesem Jahr eine neue Wasserleitung mit den zwei Reservoirs gebaut wurde und die Lieferung des Baumaterials (Eisenrohre, Zement, Baustahleisen - der Schotter wurde ja aus der "Cava" des Untersteinerhofes entnommen) mit dem alten System nicht möglich war.

Foto: Talstation Laag

Das Kommando über die Seilbahn hatten die Arbeiter in Gfrill. In Laag waren mindestens drei Arbeiter im Einsatz (Luis Fuchs Lazzeri, Hauptverantwortlicher für die Talstation, Luis Bortolotti, Luigi Zanot, Carlo Zanot sowie andere Männer aus Laag bei Bedarf). 
Das Holz wurde von den Transportunternehmen Gebrüder Karl und Sigmund Stimpfl, Franz Atz vom Klösterle oder bisweilen auch von Luis Veronesi und Viktor Decarli mit einem Pferdegespann in die Sägewerke transportiert. Dafür brauchte es große, kräftige Rösser; Karl Stimpfl soll die besten besessen haben.
Um 1965 wurde die Materialseilbahn aufgelassen, nachdem Gfrill durch eine fahrsichere Straße erreichbar wurde.

Foto: Bergstation Gfrill

Foto: Karl Stimpfl mit seinem Rossgespann

ERINNERUNGEN

Im Jahre 1948 konnte die „Madonna Pellegrina“ mittels Materialseilbahn Gfrill erreichen. Alle Laager Gläubigen standen gemeinsam mit Don Tecini an der Talstation um sie zu begrüßen und ihren Start zu verfolgen.

Moidl Lazzeri und ihre Tochter Christine Stimpfl fuhren mit der Seilbahn zu den Verwandten nach Gfrill.

Einmal, als eine Ladung Schnaps für die Gfrillner gestartet war, tauchten in Laag Finanzpolizisten auf. Diese ließen die Materialseilbahn stoppen, dann begaben sie sich nach Gfrill um die Ware dort zu konfiszieren. Doch als die Korbflaschen mit Schnaps ankamen, waren sie kaputt und kein Tropfen Schnaps war mehr da um beschlagnahmt zu werden. Die Arbeiter hatten die Flaschen an der niedersten Stelle der Materialseilbahn zerschlagen. So konnte niemand verklagt werden. 

Luis Bortolotti war einmal im Sommer auf der Seilbahn Richtung Gfrill unterwegs, als er von einem schlimmen Gewitter überrascht und sogar von einem Blitz gestreift wurde. Glücklicherweise kam er mit dem Schrecken davon.

Foto: Die „Madonna Pellegrina“ 

WEITERE MATERIALSEILBAHNEN AM MADRUTTBERG

In den 50er Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs nach Kriegsende war Bauholz gefragt und es wurde sehr gut bezahlt. Über drei weitere Materialseilbahnen wurde das Gfrillner Holz ins Tal befördert. 
Die Giacomuzzi- Materialseilbahn startete oberhalb von Kerschbaum, überquerte das Laukestal bis zum Crozolhof und führte zur Talstation nach Karneid.
In diesen Jahren wurde auch am Madruttberg geschlägert. Dazu wurden zwei weitere Materialseilbahnen aufgestellt; eine über die Madruttwand nach Sankt Florian und die andere weiter südlich an der Wand bis zum „Second Doss“ oberhalb des Föhrenwegs. Diese Seilbahnen dienten  ausschließlich dem Transport von Holzstämmen und wurden bald darauf wieder abgebaut.
Eine weitere Bahn lieferte die Baumstämme vom Aaltal (bei den "Partisanen-Cuflen") nach Sankt Florian.

Foto: Die Materialseilbahn von Sankt Florian 

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